Brasilienaustausch 

mit dem Colégio Visconde de Porto Seguro in São Paulo

 

Basisinformationen

Basisinformationen Der Brasilienaustausch am Ratsgymnasium existiert fast ohne Unterbrechungen seit 1978, also seit fast 40 Jahren; das dürfte für einen transatlantischen Austausch ziemlich rekordverdächtig sein. Ziel unseres Austausches ist die 19-Millionen-Stadt São Paulo, eine der größten Städte der Erde sowie die bevölkerungsreichste Stadt auf der Südhalbkugel. Sie ist das wichtigste Wirtschafts-, Finanz- und Kulturzentrum Brasiliens und Verkehrsknotenpunkt des Landes mit Universitäten, Hochschulen, Theatern und Museen.

São Paulo ist zudem der größte industrielle Ballungsraum in Lateinamerika. Die rund 1.000 deutschen Unternehmen im Großraum São Paulo bilden die weltweit größte Konzentration deutscher Industrie-Unternehmen. Durch zahlreiche Einwanderer aus aller Welt ist São Paulo multikulturell geprägt mit wesentlichen portugiesischen, italienischen, deutschen, libanesischen und japanischen Einflüssen. Partnerschule des Ratsgymnasiums ist das Colégio Visconde de Porto Seguro (CVPS). 1878 als deutsche Schule gegründet ist sie eine traditionsreiche und mit über 10.000 Schülerinnen und Schülern die größte Privatschule in Brasilien und die größte Deutsche Schule weltweit. Das Lehrerkollegium besteht aus 750 Mitgliedern, von denen ein Großteil aus Deutschland kommt. Viele der deutschen Kolleginnen und Kollegen arbeiten auch an der Organisation des Austauschs mit und betreuen unsere Schülerinnen und Schüler vor Ort. Das CVPS hat drei große Standorte in São Paulo und Valinhos: Der älteste liegt seit den 1970er Jahren im Stadtteil Morumbi; seit 1983 gibt es die Einheit II in Valinhos mit circa 2.500 Schülerinnen und Schülern und seit 1998 einen dritten Schulkomplex in São Paulo - Panamby. An unserem jährlichen Austausch haben in den letzten Jahren Gruppen von fünf bis 15 Schülerinnen und Schülern des Ratsgymnasiums teilgenommen; insgesamt hat die CVPS über zehn Schulen aus ganz Deutschland als Austauschpartnerorganisationen und damit bis zu 120 Personen allein auf der deutschen Seite.

Zum Ablauf: Etwa vom 20. Dezember bis ca. 20. Januar nehmen unsere Schülerinnen und Schüler einen 16- bis 17-jährigen Gast aus São Paulo auf. Wichtigste Programmpunkte in Deutschland sind eine fünftägige Berlinfahrt sowie diverse Tagesausflüge (z.B. nach Hamburg oder Wolfsburg). Außerdem sollen die Brasilianerinnen und Brasilianer den deutschen Alltag und die Kultur kennen lernen. Hierzu werden häufig Weihnachtsmärkte oder –konzerte besucht oder zusammen mit den Familien ein Ausflug in den Harz gemacht, damit die Gäste aus Südamerika auch einmal Schnee sehen und anfassen können.

Unsere Schülerinnen und Schüler machen den 5-wöchigen Gegenbesuch in den brasilianischen Familien ungefähr in der Zeit der niedersächsischen Sommerferien. „Highlights" sind hier - neben dem von den Gastfamilien individuell gestalteten (Süd-Winter-) Ferienprogramm - zwei einwöchige Fahrten der Schule. Je nach Programm kann es hier in eines der Kolonialstädtchen des brasilianischen Hinterlands, in den Staat Minas Gerais, nach Rio de Janeiro mit seinen bekannten Attraktionen oder zu einer Schiffstour zu vorgelagerten Inseln an der Atlantikküste gehen. Weitere mögliche Ziele der Ausflüge sind die südbrasilianische Stadt Curitiba, eine Bahnfahrt durch den Küstenregenwald, die gigantischen Wasserfälle von Foz do Iguaçu und das Kraftwerk Itaipú im Dreiländereck Brasilien/Paraguay/Argentinien sowie die Region um Bonito, deren reichhaltige Flora und Fauna die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland zum Staunen bringt. Auch Salvador de Bahia und Praia do Forte standen in den vergangenen Austauschjahren teilweise auf dem Programm.

Tagesfahrten z.B. auf eine Kaffeehazienda und Besuche in Favela-Einrichtungen runden das Schulprogramm ab. Für unsere Schülerinnen und Schüler stehen als pädagogisches Ziel die sozialen und kulturellen Erkenntnisse im Vordergrund (19 Millionen-Stadt, extreme Ungleichverteilung von Besitz, Bildungs- und Lebenschancen). Darüber hinaus machen sie vielfältige Erfahrungen z.B. in den Bereichen Politik (anders strukturiertes Parteiensystem, Lebensverhältnisse in einem Schwellenland), Wirtschaft, Kolonialgeschichte und Ökologie. Ziel des Austausches ist also ein in vielfacher Hinsicht erweiterter Horizont, der Abbau von Vorurteilen und die vertiefte Kenntnis eines außereuropäischen Landes, seiner Kultur und seiner Lebensart. Unsere Schülerinnen und Schüler müssen für den Aufenthalt in den Gastfamilien die Landessprache Portugiesisch nicht unbedingt beherrschen. Für Interessierte gibt es die Möglichkeit, an einem von der Schule vermittelten Portugiesischkurs teilzunehmen, der auf die wichtigsten Alltagssituationen vorbereitet.

Die Teilnahme wird von der Schule dringend empfohlen, wenngleich es ebenfalls möglich ist, sich Grundkenntnisse der Sprache z.B. anhand eines Audiokurses anzueignen. Die jungen Brasilianerinnen und Brasilianer wollen bei uns ihr Deutsch perfektionieren. Zur Vorbereitung der Fahrt ist die Teilnahme an mehreren Vorbereitungstreffen verbindlich. Die Kosten des Austausches belaufen sich auf etwa 1000 Euro für den Flug, ca. 80 Euro Impfkosten, ca. 550 Euro Taschengeld und ca. 500 Euro für die von der Schule organisierten Exkursionen in Deutschland (für den Gast und den Gastgeber zusammen).

J.Plünnecke

 

 

Brasilienaustausch 2018/19


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Als erstes besuchten uns unsere brasilianischen Gastgeschwister hier in Deutschland. Wir verbrachten Weihnachten und Silvester zusammen und machten in den Familien verschiedene Ausflüge. Zusammen mit der Austauschgruppe aus Minden fuhren wir im Januar für fünf Tage nach Berlin. In diesen ersten fünf ereignisreichen Wochen bauten sich bereits enge Verbindungen zwischen unseren Austauschpartnerinnen bzw. -partnern und uns auf.

Ein halbes Jahr später machten wir uns auf den Weg nach São Paulo! Nach einigen Stunden Flug kamen wir früh morgens an und trafen das erste Mal auf unsere Gastfamilien, mit denen wir die ersten drei Wochen verbrachten. Wir machten Ausflüge nach Rio de Janeiro, Campos de Jardão und auf die Insel Ilha Bela. Auch in São Paulo selbst haben wir uns getroffen und verschiedene Stadtteile besucht.

In den letzten beiden Wochen haben wir zusammen mit einem Teil der Austauschschülerinnen und -schüler aus anderen deutschen Städten, die ebenfalls am Austausch teilnahmen, zwei Ausflüge unternommen.


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Es ging zunächst mit dem Bus nach Bonito, wo wir in einem glasklaren Fluss schnorcheln konnten und eine Lagune mit tiefblauem Wasser besuchten. Nach einer Nacht im Hotel fuhren wir weiter nach Foz do Iguaçu, einem riesigen Wasserfall, den wir von brasilianischer und argentinischer Seite aus besuchen konnten. Auf der brasilianischen Seite gab es die Möglichkeit, eine Bootstour zu machen, um möglichst nah an die Wasserfälle heranzukommen. Trocken kam man hier jedoch kaum raus…

Der zweite Ausflug führte uns nach Salvador und Praia do Forte. Beide Orte liegen im Norden Brasiliens. Hier kann man zahlreiche afrikanische Einflüsse auf die Kultur erkennen, z.B. in Bezug auf die Küche oder die Architektur. Sie gehen auf Sklaven zurück, die aus ihrer Heimat in früheren Zeiten nach Südamerika verschleppt wurden. In dieser Region besuchten wir auch das Projeto Tamar, ein Projekt, das sich für Meeresschildkröten einsetzt.


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An einem gemeinsamen Sporttag fuhren wir alle, deutsche und brasilianische Schülerinnen und Schüler gemeinsam, zu einer der drei beteiligten brasilianischen Schulen, um uns zusammen die Bilder der anderen Austauchgruppen anzusehen und gemeinsam verschiedenste Spiele zu spielen, z.B. Fußball, Volleyball und Basketball. Wir konnten aber auch turnen und, wenn es etwas wärmer gewesen wäre, hätten wir auch schwimmen gehen können. Unser letzter Tagesausflug am Ende unseres Aufenthaltes brachte uns zu dem Sozialprojekt Santa Fé, das unsere Schule im Rahmen der Brasilienspendenaktion seit 1991 unterstützt. Dort hörten wir uns mit Hilfe eines ins Deutsche übersetzenden Lehrers einige Lebensgeschichten der Favelakinder an und beantworteten zahlreiche Fragen.

Die Zeit in Brasilien verging wie im Flug und schon mussten wir uns von unseren Gastfamilien, die uns so herzlich und liebevoll aufgenommen hatten, verabschieden.